top of page

Sehnsucht nach Einfachheit

  • 23. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Jedes Mal, wenn ich auf Korsika Urlaub mache, diese zwei Wochen im Jahr erfüllt von Sonne, Meer, Natur und Stille, stelle ich denn Sinn meines Alltags in Deutschland in Frage. Oder zumindest die Frage, ob diese Art zu Leben mir wirklich guttut. Nach einiger Zeit hier, bin ich immer wieder erstaunt, wie weit ich mich zu Hause entferne - aus der inneren Ruhe und Verbundenheit mit mir selbst. Im Alltag zwischen Beruf, Familie und Verpflichtungen scheint mir das oft unbemerkt verloren zu gehen.



Nach einigen Tagen des „Runterfahrens“ nach der Autofahrt in den Süden, der Überfahrt mit der Nachtfähre und den beinahe komatösen Schlafanfällen in den ersten Tagen hier, beginnt die spürbare Veränderung.


Der Sand unter meinen Füßen, die Steine am Wegesrand, die Blumen um mich herum haben eine unmittelbare Relevanz und Ausstrahlung auf mich. Ich entdecke viel mehr Details. Käfer, Schnecken, Blumen begegne ich mit kindlicher Neugier – und vor allem der nötigen Zeit, sie wirklich wahrzunehmen. Dadurch entsteht eine tiefe Verbundenheit mit meiner Umgebung. Ich bin nicht mehr der Mensch in der Natur, sondern viel mehr ein Teil von ihr. Da ich wieder in derselben Geschwindigkeit – oder besser gesagt: Langsamkeit mitschwinge.


Mit dieser Langsamkeit breitet sich auch eine tiefe innere Ruhe in mir aus. Sie kommt nicht durch Meditation oder bewusstes Bemühen. Sie entsteht ganz von selbst, je mehr ich mich der Einfachheit und dem entschleunigten Rhythmus hingebe.


Ohne den zeitlichen Raum, die Weite des Meeres und die Einfachheit eines nahezu leeren Ferienhauses, das nur das Nötigste enthält, wäre dieser Prozess des Ankommens bei mir selbst vermutlich nicht  in dieser Tiefe möglich. Beim „Zu-sich-Kommen“ gilt ganz besonders: Weniger ist mehr.


Und lässt mich wieder zu der Frage kommen:


„Was brauchen wir wirklich im Leben?“


Ganz subjektiv betrachtet lautet meine Antwort: mehr Wärme, mehr Natur, mehr Kontakt zu den Elementen und mehr Ruhe, um uns selbst wieder spüren zu können.


Die Stille ist ein großer Heiler für unseren Geist. Und manchmal braucht es einen anderen Ort als das eigene Zuhause, um ihr wirklich begegnen zu können.


Daheim umgeben uns unerledigte Aufgaben, Verpflichtungen und all die Dinge, die unsere Geschichte erzählen. Sie geben Identität – und begrenzen sie zugleich. Sie erinnern uns daran, wer wir glauben zu sein, und halten oft unbemerkt unser Gedankenkarussell am Laufen.


Vielleicht ist genau deshalb das Heraustreten in die Einfachheit so heilsam. In einen leeren oder besser gesagt neutralen Raum, frei von persönlichem Gepäck.


Dort kommen wir leichter im JETZT an. Die kleinen Lektionen des Lebens erreichen uns wieder. Dinge, die wir im Gewohnten oft übersehen.


Denn die Definition von uns, wer wir sind, ist in dieser Gewohnheit entstanden.


Vielleicht ist die Sehnsucht nach dem Reisen deshalb manchmal gar nicht die Sehnsucht nach einem anderen Ort. Vielleicht ist sie die Sehnsucht nach uns selbst. Der Wunsch, uns wieder unmittelbar zu erfahren. Nicht die Sehnsucht nach weniger Dingen, sondern nach weniger innerem Lärm, der sich im Alltag ansammelt.


Unsere Aufmerksamkeit – weg vom Bildschirm zu lenken, hin zu unserem Herzschlag, unseren Sinnen und unserer Kreativität – die in der Einfachheit wieder erwacht.


Geht es Dir liebe Leserin, lieber Leser ähnlich?


Ich freue mich über Eure Gedanken, Erfahrungen und Rückmeldungen zu diesem Zustand der Einfachheit.


Für mich heißt es jetzt: wieder eintauchen. Und abtauchen. Bis zum Ende der Ferien…


Eure Constanze


 
 
 

Kommentare


Schutzschild.png

INSPIRATION LETTER

Neue Seminare, Coaching Angebote und Inspiration rund um Psychologie und Bewusstsein - direkt in Ihr Postfach. 

bottom of page